Heute schauen wir uns einmal den Firmenstandort Estland an.

Estland ist ein kleines Land im Nordosten Europas und unter anderem Mitglied der EU, der Eurozone und der NATO.

In den letzten Jahren hat Estland massiv Marketing für seine e-residency gemacht, einer Möglichkeit, die selbe Infrastruktur, die auch die Bewohner Estlands für die öffentliche Infrastruktur nutzen, auch als Ausländer digital in Anspruch zu nehmen.

Dafür braucht es nur einen kurzen Antrag auf der Webseite des e-residency Programms, das Hochladen eines Fotos, einer kurzen Begründung warum man die e-residency haben möchte und einer Bearbeitungsgebühr von 100€.

Danach kann man die ID Karte entweder direkt in Estland selbst oder in einem der zahlreichen Konsulate abholen.

Bild: Masayuki (Yuki) Kawagishi https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Die ID Karte beinhaltet eine digitale Signatur, über die Verträge genauso rechtswirksam wie mit Stift und Papier unterschrieben werden können, das geht von der Gründung eines Unternehmens, über das Einreichen der Steuererklärung, die Anmeldung einer Marke bis hin zur Mitgliedschaft in der Stadtbibliothek.

Hat man die e-residency erfolgreich erworben, wäre der nächste Schritt die Gründung eines Unternehmens in Estland.

Doch was macht ein Unternehmen in Estland eigentlich so interessant?

Für Nicht-EU Bürger verschafft ein Unternehmen dort über einen sehr einfachen Weg den Zugang zum europäischen Binnenmarkt, europäischen Banken und zum Teil auch öffentlichen Aufträgen.

Zudem hat Estland ein einzigartiges Unternehmenssteuerrecht, dass Gewinne nur besteuert, wenn diese auch als Dividenden ausgeschüttet werden. So lange diese im Unternehmen verbleiben, sei es als Rücklage oder um sie direkt zu reinvestieren, fällt keine Steuer an.

Seit 2019 kommt zusätzlich noch die Erleichterung hinzu, dass du dir als Non-Resident in Estland, dein Gehalt aus der Firma in Estland steuerfrei auszahlen kannst, d.h. es werden in Estland keine Steuern fällig, allerdings in dem Land, in dem du deinen persönlichen Steuerwohnsitz hast.

Die Gründung des Unternehmens geht völlig digital und du brauchst dazu auch nicht nach Estland zu reisen, auch wenn Tallinn durchaus eine schöne Stadt ist, die man mal gesehen haben sollte.

Mit dem Stammkapital von nur €2.500 und Gründungskosten von wenigen hundert Euro ist das Investment überschaubar. Das Stammkapital musst du nicht direkt einzahlen, jedoch muss es vollständig vorliegen, bevor du dir Dividenden zahlen kannst.

Die laufenden Kosten sind ebenfalls überschaubar. Du brauchst für das Unternehmen eine Adresse in Estland sowie einen persönlichen Ansprechpartner im Land, an den sich Behörden wenden können. Dies wird von diversen Dienstleistern als Paket angeboten, die sich dann zumeist auch gleich mit um die Buchhaltung kümmern.

Ich selbst arbeitete mit dem Anbieter LeapIn zusammen, der mich vom Moment der Beantragung der e-residency bis hin zum Tagesgeschäft kompetent begleitet.

LeapIn hat sich auf einige ausgewählte Unternehmensmodelle (Ein geschäftsführender Gesellschafter, keine Angestellten außer dem Inhaber, etc.) spezialisiert, und bietet für genau diese Zielgruppe eine maßgeschneiderte und gut automatisierte Lösung an. Für etwas komplexere Modelle gibt es zahlreiche andere Dienstleister, die sich dann darauf spezialisiert haben. Bei Interesse kann ich dir im Rahmen einer Beratung gerne einen für dein geplantes Setup passenden Anbieter empfehlen.

Wenn du dich für eine Zusammenarbeit mit LeapIn interessierst, melde dich gerne bei mir und ich gebe dir einen Einladungscode, mit dem du die ersten zwei Monate gratis bekommst.

Doch nachdem wir uns jetzt die ganzen Vorteile angesehen haben, kommen wir zu zwei Dingen, die du unbedingt bedenken solltest:

1. Wenn du in einem Land mit Außensteuergesetz bzw. CFC Regeln deinen Steuerwohnsitz hast, profitierst du wahrscheinlich nicht von dem dortigen vorteilhaften Steuersystem sondern dein Unternehmen in Estland wird wie ein Unternehmen aus dem Land in dem du deinen persönlichen Steuerwohnsitz hast, besteuert.

2. Estland eignet sich nicht für „krumme Geschäfte“ oder Anonymität jeglicher Art. Das Land ist vollkommen digitalisiert, von der Steuererklärung bis zur Busfahrkarte, und alle Transaktionen sind transparent, genauso wer hinter einem Unternehmen steckt (Frühstücksdirektoren sind nicht gestattet). Deine Inhaberdaten zu deinen Unternehmen sowie auch deine Kontaktmailadresse und dein Umsatz sind öffentlich im Handelsregister für jeden einsehbar.

3. Das Thema Bankkonten ist in Estland etwas schwierig. Selbst wenn es technisch möglich wäre, dir ein Bankkonto rein über deine ID Karte elektronisch aus der Ferne zu eröffnen, tun sich Banken damit sehr schwer und erfordern in der Praxis einen Besuch vor Ort, um dich und dein Unternehmen näher kennen zu lernen. Alternativen sind natürlich immer Konten über diverse FinTech Unternehmen.

4. Das e-residency Programm hat nichts mit einer echten Residenz zu tun, verschafft dir als non-EU Bürger also per se erst einmal kein Visum um dich in Estland niederzulassen oder in die EU einzureisen.

Für wen lohnt sich also ein Unternehmen in Estland?

Nun, in erster Linie dann, wenn du gar keinen Wohnsitz hast (Perpetual Traveler / Digitaler Nomade), oder in einem Land lebst dass keine CFC Gesetze hat. Zusätzlich lebst du am besten noch in einem Land mit territorialem Steuersystem, dass es dir erlaubt Auszahlungen aus deinem Unternehmen in Estland steuerfrei zu vereinnahmen.

Doch selbst wenn du außerhalb der EU in einem Land lebst, dass dein Unternehmen aus Estland lokal besteuert, kann es für dich ein interessanter Weg sein, einfach und ohne Einreise in die EU Zugang zum Binnenmarkt zu bekommen.

Brauchst du Hilfe bei der Eröffnung deines Unternehmens in Estland, bei der Beantragung der e-residency oder der Entscheidung, in welchem Land du dein Unternehmen eröffnen solltest? Dann melde dich gerne bei mir und wir besprechen das in einer ausführlichen Beratung.