Über die Vorteile von Kreditkarten haben wir schon einmal an anderer Stelle ausgiebig gesprochen. Bist du nun also davon überzeugt, dass du unbedingt Kreditkarten brauchst um wertvolle Bonuspunkte zu sammeln, Zusatzversicherungen zu haben oder am Flughafen in die Lounge zu dürfen, stellt sich die Frage:

Welche Karten und wie viele sollten es denn sein?

Bevor wir damit beginnen, sei noch kurz erklärt, dass sich dieser Artikel nur mit „echten“ Kreditkarten befasst, nicht mit Debitkarten.

Debitkarten sind Karten, die einen bezahlten Betrag direkt vom hinterlegten Girokonto abbuchen und werden (meistens) direkt von der Bank ausgegeben, die auch dein Konto führt. Die wenigsten dieser Karten sind brauchbar um Punkte zu sammeln, Versicherungen zu nutzen, etc. sondern sind einfach nur ein schneller Weg vom Terminal des Verkäufers in dein Girokonto.

Kreditkarten hingegen bieten dir einen festgelegten Kreditrahmen, über den du verfügen kannst. Hier bekommst du dann am Monatesende eine Abrechnung und begleichst alle Transaktionen in einer Summe und löst damit den Betrag vollständig ab (oder du zahlst nur einen Teilbetrag zurück und dafür horrende Zinsen an die Bank oder Kreditkartengesellschaft).

Sogenannte „Charge Cards“ sind Kreditkarten (haupsächlich von American Express ausgegeben), die kein festes Kreditlimit haben, die du dafür aber (in der Regel) voll am Monatsende zurückzahlen musst. Diese fassen wir der Einfachheit hier mit unter dem Oberbegriff Kreditkarte zusammen.

Nähern wir uns nun also der optimalen Zahl an Kreditkarten an, die du besitzen solltest.

Eine Kreditkarte?

Eine Kreditkarte ist schon einmal besser als keine Kreditkarte, aber birgt das Risiko, dass du, wenn die Karte z.B. verloren geht oder gesperrt wird, am anderen Ende der Welt ohne Kreditkarte da stehst. Daher ist nur eine Kreditkarte eindeutig zu wenig.

Zwei Kreditkarten?

Zwei Kreditkarten sollten das absolute Minimum sein, schon alleine um eine Ersatzkarte zu haben, wenn eine Karte verloren geht. Von diesen beiden Karten sollte mindestens eine Karte eine Visa oder Mastercard sein, da Karten von American Express, Discover oder anderen „kleineren“ Netzwerken nicht überall auf der Welt auf breiter Front akzeptiert werden, während – wenn ein Geschäft generell Kreditkarten akzeptiert – fast immer Mastercard und Visa akzeptiert werden. In manchen Ländern hat mal Mastercard, mal Visa die Nase vorn, und manche Geschäfte akzeptieren nur eines davon. Deshalb sind drei Karten vielleicht besser als zwei?

Drei Kreditkarten?

Drei Kreditkarten teilst du bestenfalls auf einmal Mastercard, einmal Visa und einmal American Express auf. Hier kann es bereits sinnvoll sein die Karten in verschiedenen Währungen zu führen, z.B. die Mastercard in Euro, die Visakarte in GBP und die American Express Karte in US Dollar. Reist man öfter in Länder mit sonstigen Fremdwährungen sollten möglichst viele der Kreditkarten keine Gebühr für Transaktionen in Fremdwährungen erheben, da diese Gebühren in der Regel immer höher als der Wert der Punkte/Meilen ist, die man dafür bekommt.

Vier bis Zehn Kreditkarten?

Ab der vierten bis ungefähr zur zehnten Kreditkarte erweiterst du dein Kartenportfolio hauptsächlich mit Karten, die die bevorzugte Art von Punkten oder Rabatten ermöglichen. Hier gilt es erst einmal zu wählen ob du eher jemand bist, der Cashback (x% in Geld bzw. Guthaben zurück auf deine Ausgaben) haben will, oder der Punkte/Meilen sammeln will. Es empfiehlt sich, dass du dich hier von Anfang an auf eine Strategie festlegst, da sich damit dann schneller größere Erfolge erzielen lassen, als wenn eine Karte 2% bei Hotels sammelt, die andere dann dreifach Punkte bei Flugtickets.

Elf bis Zwanzig Kreditkarten?

Mehr als zehn Kreditkarten ist durchaus schon ein Spiel für Fortgeschrittene, denn ab hier wird es nicht nur aufwändig nachzuhalten, welche Karte jetzt die beste für genau diese Ausgabe ist, sondern auch Zahlungsdaten und regelmäßige Nutzung der Karte um diese aktiv zu halten wollen beachtet werden. In dieser „Klasse“ beginnst du ggf. auch Karten zu sammeln, die eher für ihre Zusatzleistungen oder als Statussymbol benutzt werden, aber sich selten lohnen im täglichen Einkaufsbedarf einzusetzen. So bietet z.B. die American Express Platinum Kreditkarte gute Zusatzleistungen wie Versicherungen, Loungezugang, Concierge Service, aber dafür nur einen spärlichen Punkt pro Euro für Supermarkteinkäufe, für die vielleicht die eher unbekannte Visakarte deiner Hausbank schon mehr Punkte oder Cashback bietet. Wer also im Supermarkt seine Platinkarte zückt, tut das eher um den Kassierer zu beeindrucken als um effizient Punkte zu sammeln.

Mehr als Zwanzig Kreditkarten?

Diese Menge Kreditkarten lohnt sich auf lange Sicht als Notfallfonds. Mit ausreichend Bonität lassen sich – zusammengerechnet auf alle Karten – Kreditlimits eines vielfachen des eigenen Jahreseinkommens sammeln, die man im Fall eines wirtschaftlichen Notfalls (z.b. Jobverlust, unerwartete Reparaturen, Krankheit) dazu nutzen kann, ein Jahr oder gar länger „auf Pump“ zu überleben, indem man immer abwechselnd die Abrechnung einer Karte über das Limit einer anderen Karte bezahlt. Da das aber horrende Zinsen zur Folge hat, solltest du das nur im absoluten Notfall machen. Es kann aber beruhigend sein, diese Möglichkeit zu haben und gibt dir die Freiheit, weniger Bargeld auf dem Girokonto für einen solchen Notfall horten zu müssen.

Kriterien für die genaue Anzahl von Karten

Wie viele Karten kannst du im Monat mindestens einmal benutzen?

Zum Aufbau von Bonität (und der schrittweisen Steigerung deines Kreditlimits) erfassen Banken und Kreditkartengesellschaften wie oft du pünktlich deine Abrechnung begleichst. Um aber etwas begleichen zu können, muss natürlich ein Saldo auf deiner Karte auftauchen, du musst die Karte also mindestens einmal Monat einsetzen, und sei es nur um eine Packung Kaugummi oder eine Flasche Wasser am Getränkeautomaten zu kaufen. Hast du zu viele Karten kaufst du vielleicht Dinge, die du sonst gar nicht gekauft hättest, nur um die Karten aktiv zu halten, was dann natürlich in keinster Weise die gewonnenen Bonuspunkte aufwiegt.

Jahresgebühren

Viele Kreditkarten haben eine jährliche Gebühr, mit der z.B. die Zusatzleistungen wie Versicherungen, Loungezugang, Kundenservice etc. abgegolten sind. Für jede Karte solltest du also ausrechnen, ob du hier eine positive Gewinnerwartung für diese Karte hast, du also entweder mehr Punkte verdienst als die Jahresgebühr dich kostet und/oder du überhaupt alle Boni, die diese Jahresgebühr der Karte beinhaltet überhaupt nutzt. Wenn du wenig fliegst, ist z.B. ein Loungezugang oder eine Rabatt im Privatjetprogramm weniger wert, als wenn du dein Leben auf Flughäfen verbringst, und wenn du kein Auto fährst ist das Upgrade auf eine höhere Mietwagenkategorie oder 2% Bonusmeilen beim Tanken komplett wertlos. Kostet dich eine Karte also mehr Gebühren als du an Wert bekommst, kann die Karte geündigt werden.

Alter der Kreditkarte

In einigen Ländern berechnen die Kreditkartengesellschaften deine Bonität danach, wie lange du schon „Kredit“ hast und wie lange du ununterbrochen deine Rechnungen pünktlich begleichst. Kündigst du deine älteste Kreditkarte – auch wenn du diese eigentlich schon lange nicht mehr brauchst – kann das deine Statistik negativ beeinflussen und auf einmal dafür sorgen, dass andere Kreditkarten dein Limit senken. Deshalb bietet es sich an, dass deine ältesten Karten immer Kreditkarten ohne Jahresgebühr sind, damit du diese, selbst wenn du sie nicht aktiv nutzt, ohne laufende Kosten weiter in der Schublade liegen lassen kannst.

Länder mit Bonität

In je mehr Ländern du Bonität im lokalen System aufgebaut hast, desto mehr Karten kannst du beantragen ohne in einem Land zu sehr die eigene Kreditwürdigkeit zu riskieren. Während in Deutschland die Schufa z.B. nicht nennenswert negativ bewertet, dass du viele Kreditkarten hast (nur wenn du zu viele Anträge gleichzeitig tätigst), scheint die KSV in Österreich es negativ zu bewerten, wenn du mehr als zwei Kreditkarten (und mehr als zwei Girokonten) besitzt. Für die Schweizer ZEK sieht es eher entspannt aus, hier wirken aber zu spät bezahlte Rechnungen intensiver im Score nach als z.B. in Deutschland. In Ländern wie UK oder USA hingegen gibt es keine zentrale monopolistische Stelle für die Bonität sondern mehrere private Unternehmen (z.B. Equifax, Experian), die jeweils leicht abweichende Formeln für deine Bonität haben.

Individuelle Boni vs. Mehrfache Karten

Viele Kreditkarten haben ähnliche Boni, wie z.B. die gleiche Versicherung, Priority Pass, oder 3% Cashback auf Supermarkteinkäufe. Wenn die Karten nicht sowieso ohne Grundgebühr kommen, kann es hier sinnvoll sein zu konsolidieren, also darauf zu achten, den gleichen Bonus nicht auf mehreren Karten zu besitzen und dafür doppelt zu bezahlen. Andererseits kann es sich für dich auch rechnen, mehrfach die gleiche Karte zu besitzen. So bietet die US Version der American Express Platinum z.B. einen 200 Dollar Hotel Credit wenn du dein Hotelzimmer (für gewisse Hotels) über das Reiseportal von American Express buchst und einen 200 Dollar Arline Credit,für Zusatzkosten (z.B. Gepäck, Sitzplatz, Onboard-Entertainment/Dining) an. Wenn du nun sowieso für mehrere tausend Dollar im Jahr in Hotels übernachtest und auf Dinge wie Sitzplatz und Aufgabegepäck wert legst, kann es sich lohnen, mehrere dieser Karten zu besitzen und diese Credits überall auszuschöpfen.

Finanzielle Mittel

Kreditkarten sind verführerisch. Wenn du nicht gut mit Geld umgehen kannst, hast du dann zu viele Kreditkarten, wenn du es nicht schaffst, immer alle Kreditkarten am Monatsende komplett auszugleichen. Kreditkartenzinsen sind so ausgelegt, dass sie immer viel höher sind, als die Bonuspunkte, die du für den Einsatz bekommst. Sobald du also einen Saldo stehen lässt und Zinsen bezahlst, legst du drauf und die Karte lohnt sich für dich nicht (außer für den oben beschriebenen Notfallfonds).

Partnerkarten

Bist du mit Familienmitgliedern oder engen Freunden unterwegs, kann es sich auch lohnen, statt eine Karte direkt nur für dich zu beantragen, auch für deine Familenmitglieder und Freude Karten ausstellen zu lassen oder umgekehrt auf ein Konto deiner Familie/Freunde eine Partnerkarte zu bekommen. Damit teilt ihr euch die Jahresgebühr (bei vielen Kreditkarten ist die Partnerkarte kostenfrei oder stark vergünstigt) und sammelt schnell mehr Punkte. Gerade dann, wenn eine Karte für dich eine negative Gewinnerwartung durch eine hohe Jahresgebühr hat, kann eine Partnerkarte eine willkommene Alternative sein.

Jahreseinkommen

Dein Jahreseinkommen ist oft eine der Kenngrößen für das gesamte Kreditlimit, dass du zur Verfügung hast. Beantragst du immer weiter neue Kreditkarten werden dann irgendwann die dir zugeteilten Limits auf den Karten immer geringer, da Banken vermeiden wollen, dass du mehr als das X-fache deines Jahreseinkommens als Kreditlinie hast, da dann die Chance sinkt, dass du das jemals zurück zahlen kannst, wenn du die Limits mal voll ausschöpfst. Andererseits sollte dein Jahreseinkommen in gesundem Verhältnis zur Summe deiner Jahresgebühren stehen. Verdienst du z.B. „nur“ 50.000 Euro im Jahr und besitzt eine American Express Platinum, eine Barclaycard Platinum und eine Hanseatic Bank Gold Card, belaufen sich deine Jahresgebühren auf ca. 800 Euro, was  1,6% deines Jahreseinkommens ausmacht.

Fazit

Der genaue Sweetspot, wie viele Kreditkarten für dich selbst sinnvoll sind hängt von vielen Faktoren ab, wahrscheinlich findest du ich irgendwo im bereich 10 bis 20 Karten wieder, wenn du das Jonglieren mit Karten nicht zu deinem persönlichen Hobby auserkoren hast.

Der Autor dieses Artikels hat derzeit übrigens 15 Kredit (und nochmals ca. genau so viele Debitkarten). Der Weltrekord liegt bei sagenhaften ca. 1.500 gleichzeitig aktiven Kreditkarten und wird von Walter Cavanagh – auch als Mr. Plastic Fantastic genannt – gehalten. Der Sage nach benutzt er jeden Monat eine andere Kreditkarte, und gleicht diese immer am Monatsende immer voll aus.